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[   Band 3 Brief 65:    Humboldt an Caroline    Königsberg, 18. April 1809   ]


auf unser Glück, und sehe ich, daß ich unter diesen Umständen
nicht meinem Fach hier nützlich sein kann, so benutze ich die erste
sich darbietende Gelegenheit loszukommen.
Soeben erhalte ich Deine beiden inniglieben Briefe vom 15.
und 18. März. Sie haben mich unaussprechlich glücklich gemacht.
Beide sind so lieb und gut, und der vom 18. über das Museum
so klug, daß der König nur Dich zum Gesandten machen sollte.
Des armen Rauch ewiges Kränkeln tut mir sehr leid. Es
wird mir immer gewisser, daß er nicht mehr lange lebt. Doch wird
er in Rom sterben, und das ist unendlich viel. Das Basrelief aus
Massimi ist wahrscheinlich das der Parzen. Wann werde ich es
sehen! Wir müssen etwas ans Museum wenden. Es ist ein
schöner Besitz, und wollte man es einmal veräußern, ein wirklicher
Reichtum. Aber wir tun das schwerlich. Schon von der einen Grazie
hätte ich mich höchst ungern getrennt, und nun von dem vielen
und Großen, das seitdem und jetzt unter Deiner Herrschaft dazu
gekommen. Wenn wir nur für den Augenblick mehr bares Geld
hätten, so machte ich sehr gern den Kauf, von dem Du schreibst.
Sehr dafür bin ich. Aber, daß ich es jetzt borgen muß, ist frei-
lich wahr. Ich werde sehen, ob sich vielleicht doch hier eine Ge-
legenheit zu der Summe fände, die nicht zu ruinös wäre.
Wie kannst Du Dir einbilden, liebste Seele, daß ich je, auch
nur in Gedanken, über den Pozzo mit Dir oder Rauch gescholten
hätte! Ich frage nur öfter danach, weil er mich sehr interessierte,
und weil auch Rauch ordentlich mit Hohn immer verzweifelte, daß
es mit dem Pozzo zustande kommen könnte. Die Einrichtung, die
Du jetzt gemacht hast, und der Kontrakt sind vortrefflich. Kein
Mensch hätte es besser gemacht, und Du wirst sehen, daß das in
Rom und Paris Aufsehen erregen und Deinen Namen verherr-
lichen wird. Überhanpt jammere ich bloß, Dir nicht mehr Geld
schicken zu können. Sonst wüchse das Museum gewiß noch sehr.

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